A   N   D   R   E   A        M   Ü   L   L   E   R   -   O   S   T   E   N      
  M A L E R E I Z E I C H N U N G
   
  Pflanzen - - Hautfarbe -   Akte - - Tafeln 1 -   Tafeln 2 2 0 0 4    -     2 0 1 1

 

 

Der farbige Aufbau von gemalter Haut bei Rubens (Gemälde: Der Triumph des Siegers)

Auszug aus der Einführung in die Ausstellung:
Mit Haut und Haar, Sektion I Make-up,
im Kunsttempel Kassel im April 2005
von Doris Krininger

" Andrea Müller-Osten hat auf 3 Bildtafeln die künstlerische Wiedergabe von Haut bei einem der wohl exklusivsten Vertreter der Materie Peter Paul Rubens exemplarisch am Gemälde ‚Der Triumph des Siegers' (3. Etage der Abteilung Alte Meister, Wilhelmshöhe) untersucht.

‚Der Triumph des Siegers', um 1614 von der Antwerpener Waffenbruderschaft in Auftrag gegeben, symbolisiert die religiös politischen Auseinandersetzungen zwischen den spanischen Niederlanden und den protestantischen Nordprovinzen. Der gepanzerte Kriegsgott Mars thront auf seinem getöteten Opfer, der nackten Aufruhr, die wiederum von der ebenfalls nackten gefesselt knienden Barbarei flankiert wird. Diese Figurengruppe konterkariert eine, das Geschehen dominierende halbnackte Victoria, die in ihrer Funktion Mars mit dem Lorbeer krönt.

Die ikonografisch konventionelle Staffage wird durch die raffinierte Darstellung vitaler Physis einerseits und fahler Leichenstarre andererseits aufgebrochen, die in den jeweils subtilen Fleischtönen weiblicher und männlicher Epidermis kulminiert.

Andrea Müller-Osten zerlegt den farbigen Aufbau der drei zentralen Allegorien Victoria, Aufruhr und Barbarei, auf Ausschnitte konzentriert, in jeweils identisch breite Streifen. Die exakte Rekonstruktion seziert im neutralen und formalen Übereinander die malerische Struktur der Schichtung, die im Original als homogenes, durch Anatomie stabilisiertes Volumen wahrgenommen wird.

Eine halbkreidig weiß grundierte Hartfaserplatte (bei Rubens Gips auf Eichenholz) durch schlierenartiges Einreiben von Kohle und Weiß (ein Spezialverfahren des Künstlers) untermalt, stellt die gräulich transparente, stellenweise mit Braun gedoppelte Imprimitur. Von deren Mitteltonung ausgehend und am daraus erstellten Halbschatten orientiert (im Zentrum der Tafeln) werden die Dunkel- und Hellbereiche, (unten und oben) ausgerichtet. Die Schattenpartien sind bei Rubens stets warm lasierend gesetzt, die Lichtzonen zur Steigerung ihrer Reflexion kühl deckend impastiert. Seine Palette für ein Inkarnat bestand lediglich aus den Primärstoffen Zinnober, Blei-Zinn-Gelb, ( hier durch gleichwertiges Englisch Rot und Neapelgelb ersetzt) Pflanzenschwarz und Bleiweiß. Der trotz dieser farblichen Askese satt und haptisch wahrgenommene Fleischton resultiert aus dem Prinzip der optischen Mischung, der vom Auge als geschlossen rezipierten Farbwirkung aus durchdringender Untermalung, rhythmisierenden Buntaufträgen und mitprägendem Umgebungskolorit. Das bei Rubens gerühmte Perlmut weiblicher Haut ist der Biologie eines kompakten, weniger durchbluteten Fettgewebes geschuldet, wohingegen die Hervorhebung männlich, gestraffter Muskelmenge dunkler inkarniert werden muss.

Das Research von Andrea Müller-Osten verdeutlicht über die gestuften Felder, wie qualitative Anordnung von Farbe zu lagern hat, um sie in eine virtuell körperhafte Membran zu überführen:
Make-up in Rubenscher Manier."…