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Der
farbige Aufbau von gemalter Haut bei Rubens (Gemälde: Der Triumph des
Siegers)
Auszug aus der Einführung in die Ausstellung:
Mit Haut und Haar, Sektion I Make-up,
im Kunsttempel Kassel im April 2005
von Doris Krininger
…"
Andrea Müller-Osten hat auf 3 Bildtafeln die künstlerische Wiedergabe
von Haut bei einem der wohl exklusivsten Vertreter der Materie Peter
Paul Rubens exemplarisch am Gemälde ‚Der Triumph des Siegers' (3. Etage
der Abteilung Alte Meister, Wilhelmshöhe) untersucht.
‚Der Triumph des Siegers', um 1614 von der Antwerpener Waffenbruderschaft
in Auftrag gegeben, symbolisiert die religiös politischen Auseinandersetzungen
zwischen den spanischen Niederlanden und den protestantischen Nordprovinzen.
Der gepanzerte Kriegsgott Mars thront auf seinem getöteten Opfer, der
nackten Aufruhr, die wiederum von der ebenfalls nackten gefesselt knienden
Barbarei flankiert wird. Diese Figurengruppe konterkariert eine, das
Geschehen dominierende halbnackte Victoria, die in ihrer Funktion Mars
mit dem Lorbeer krönt.
Die ikonografisch konventionelle Staffage wird durch die raffinierte
Darstellung vitaler Physis einerseits und fahler Leichenstarre andererseits
aufgebrochen, die in den jeweils subtilen Fleischtönen weiblicher und
männlicher Epidermis kulminiert.
Andrea Müller-Osten zerlegt den farbigen Aufbau der drei zentralen Allegorien
Victoria, Aufruhr und Barbarei, auf Ausschnitte konzentriert, in jeweils
identisch breite Streifen. Die exakte Rekonstruktion seziert im neutralen
und formalen Übereinander die malerische Struktur der Schichtung, die
im Original als homogenes, durch Anatomie stabilisiertes Volumen wahrgenommen
wird.
Eine halbkreidig weiß grundierte Hartfaserplatte (bei Rubens Gips auf
Eichenholz) durch schlierenartiges Einreiben von Kohle und Weiß (ein
Spezialverfahren des Künstlers) untermalt, stellt die gräulich transparente,
stellenweise mit Braun gedoppelte Imprimitur. Von deren Mitteltonung
ausgehend und am daraus erstellten Halbschatten orientiert (im Zentrum
der Tafeln) werden die Dunkel- und Hellbereiche, (unten und oben) ausgerichtet.
Die Schattenpartien sind bei Rubens stets warm lasierend gesetzt, die
Lichtzonen zur Steigerung ihrer Reflexion kühl deckend impastiert. Seine
Palette für ein Inkarnat bestand lediglich aus den Primärstoffen Zinnober,
Blei-Zinn-Gelb, ( hier durch gleichwertiges Englisch Rot und Neapelgelb
ersetzt) Pflanzenschwarz und Bleiweiß. Der trotz dieser farblichen Askese
satt und haptisch wahrgenommene Fleischton resultiert aus dem Prinzip
der optischen Mischung, der vom Auge als geschlossen rezipierten Farbwirkung
aus durchdringender Untermalung, rhythmisierenden Buntaufträgen und
mitprägendem Umgebungskolorit. Das bei Rubens gerühmte Perlmut weiblicher
Haut ist der Biologie eines kompakten, weniger durchbluteten Fettgewebes
geschuldet, wohingegen die Hervorhebung männlich, gestraffter Muskelmenge
dunkler inkarniert werden muss.
Das Research von Andrea Müller-Osten verdeutlicht über die gestuften
Felder, wie qualitative Anordnung von Farbe zu lagern hat, um sie in
eine virtuell körperhafte Membran zu überführen:
Make-up in Rubenscher Manier."…
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